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Warum wird jemand SR? Wie erlebt er seine Aufgabe? Antworten im Interview mit Marco.
1. Wieso bist Du SR geworden?
Mich hat es einfach gereizt, in den Volleyballsport einzutauchen und eine neue Sicht auf das Spiel zu gewinnen.
2. Gibt es Highlights als SR:in?
Ein absolutes Highlight war sicher mein Einsatz als Linienrichter im Europacup. Allein schon die mehr als 50 Fans aus Griechenland waren ein Erlebnis. Aber auch die Qualifikationsrunden der Junior:innen-Schweizermeisterschaft sind jedes Mal aufs Neue spannend. Eigentlich sind ganz viele Spiele auf hohem Niveau Highlights.
3. Gibt es auch negative Erlebnisse als SR:in?
Das haben wir wahrscheinlich alle schon erlebt: Man fährt nach Hause und ärgert sich über ein Spiel. Am Ende sind wir alle Menschen, machen Fehler und haben mal einen besseren oder schlechteren Tag. Auch ein:e Schiedsrichter:in ist nicht immer fehlerfrei, obwohl sie/er immer versucht, sein Bestes zu geben.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Nachwuchs-SM-Qualifikation, bei der die Zuschauer eine völlig andere Auffassung vom Spielverlauf hatten als ich. In solchen Momenten ist es Gold wert, einen zweiten SR zu haben: Der verständnislose Blick meines 2. SR Carlos nach dieser Situation hat sich in meinem Hirn eingebrannt – im absolut positiven Sinne.
4. Wie schaffst Du es, Dich nicht von den Emotionen und der Hektik der Spieler:innen anstecken zu lassen?
Bis zu einem gewissen Punkt fiebere ich auf dem Bock natürlich mit. Wenn ich dann aber pfeifen muss: Ruhe bewahren. In diesem Moment richten sich alle Augen auf dich. Dies gelingt mir sicher mal besser mal schlechter.
5. Was macht eine:n gute:n SR:in aus?
Aus meiner Sicht braucht es eine gewisse Grundruhe, aber auch ein bisschen Humor. Wir stehen alle aus Freude am Sport in der Halle – das gilt für die Spieler:innen genauso wie für uns Schiedsrichter:innen. Und wenn ein:e Schiedsrichterin das ausstrahlt, das sie/er gerne da ist und sich auf das Spiel freut, dann ist schon viel an positiver Grundstimmung getan.
6. Hast Du Lust, auch auf höherem Niveau zu pfeifen (national/international)?
Vielleicht irgendwann mal. Aktuell fühle ich mich in der 1. Liga sehr wohl. Hier wird schon tolles Volleyball gespielt. Eigenes Training, Vorstandsarbeit und das Leben ausserhalb der Halle nehmen bereits viel Zeit in Anspruch. National und international wird nochmals ein ganz anderes Commitment verlangt, das ich derzeit nicht aufbringen kann.
7. Bist Du lieber 1. oder 2. SR:in? Warum?
Ich mache beides sehr gerne! Die Anspannung vor dem Spiel ist aber als 1. SR spürbar höher.
8. Wie würdest Du jemanden motivieren, sich als SR:in ausbilden zu lassen?
Man lernt das Spiel aus einer völlig neuen Perspektive kennen. Es ist faszinierend zu sehen, wie kreativ manche Teams spielen. Wer selbst spielt oder coacht, nimmt viel für das eigene Spielverständnis mit. Neuen Schiedsrichter:innen empfehle ich ausserdem immer, sich an höhere Ligen heranzuwagen.
9. Wurdest Du vom Verein / vom Regionalverband am Anfang unterstützt?
Vom Verein: Baba (unsere TK-Chefin) sagte mir «Du machst Schiri» und ich sagte «Okay.»
Vom Verband: Ich wurde von extrem vielen erfahrenen Kolleg:innen beobachtet, gefördert und begleitet. Ein riesiges Dankeschön an Dominik, Paul, Ernst, Gianluca, Tinli, Simone, Carlos und all die anderen für ihr wertvolles Feedback!
10. Hat sich Dein Verhalten als Spieler:in gegenüber dem SR verändert, seitdem Du selbst pfeifst?
Da ich mich alle zwei bis drei Saisons um eine Stufe hochgepfiffen habe, ist mir eine plötzliche Veränderung bei mir selbst gar nicht aufgefallen. Was sich mit den höheren Ligen aber definitiv verändert hat, ist die Erwartungshaltung der Spieler:innen an uns Schiedsrichter:innen.
Umgekehrt nervt es mich natürlich als Spieler auch manchmal, wenn ein:e Schiedsrichter:in einen schlechten Tag hat. Ich selber nerve mich dann, versuche aber die Akzeptanz für die SR-Entscheidungen in die Mannschaft zu transportieren, auch wenn das Spiel emotional ist.
11. Können wir als GSGL von anderen Regionalverbänden lernen (Du pfeifst ja auch in anderen Verbänden)?
Ich habe bisher ausschliesslich im GSGL gepfiffen. Was ich mir für meinen speziellen Fall allerdings wünschen würde, wäre eine schweizweit koordinierte Organisation der verfügbaren SR.
12. Raum für eigene Bemerkungen (Was Du schon immer sagen wolltest…)
Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich für den Volleyballsport in der Schweiz und international engagieren! Egal ob auf dem Feld, an der Seitenlinie, auf dem Schiribock, im Vorstand oder als helfende Hand im Hintergrund – danke, dass ihr unser gemeinsames Hobby jeden Tag so grossartig macht.